In Papas Hände geboren

Meine erste Tochter kam ET+11 nach Einleitung in einer Uniklinik zur Welt. Dort erlebte ich leider strukturelle und verbale Gewalt und entschied mich für meine zweite Geburt für eine Hausgeburt. Einen kleinen Krimi hatten wir schon erlebt, da Baby L sich erst pünktlich zu 34+0 endlich mit dem Kopf nach unten legte. Nun stand der geplanten HG im Juni 2023 vorerst nichts mehr im Weg. Der ET war mal wieder verstrichen, aber damit hatte ich gerechnet. Am Freitag an ET+1 hatte ich einen Termin bei meiner Hebamme Anja. Sie bot mir an eine Eipollösung durchzuführen und ich nahm an. Zu meiner Überraschung hatten die Senk-und Übungswehen der letzten Wochen wohl doch was gebracht und der Muttermund war bereits 2-3cm geöffnet. So ging ich frohen Mutes nachhause, dass dieses Wochenende unser Baby kommen könnte. Freitagabend hatte ich meine üblichen 2-3h nicht "ernstzunehmende" Wehen (sie waren zwar regelmäßig, aber schwach und in warmen Wasser verschwanden sie, die Gleichen wie seit 2 Wochen) und schlief irgendwann ein.

Am Samstag kam diese Art von Wehen dann auf einmal mittags, das kannte ich so nicht. Es folgte ein Anruf mit einer traurigen familiären Angelegenheit und das wars für den restlichen Tag mit Wehen oder Geburtsstimmung. Ich war frustriert über 24 Stunden nach der Eipollösung und alles beim Alten. Mist! Also beschlossen wir am Sonntag einen Ausflug mit unserer Tochter zu unternehmen. Der autofreie Bauernmarkt auf dem Gut Wulksfelde sollte es werden. Mit dem Auto brauchten wir da normalerweise 15-20min hin, mit den Öffis 1,5h. Es sollte über 30°C werden.

Am Sonntag Morgen verlor ich meinen Schleimpfropf und dachte nur, naja das kann ja auch alles und nichts heißen und wir starteten los. Wir verbrachten eine schöne Zeit auf dem Hof, auch wenn ich dann irgendwann nachhause wollte, weil dieser Pfropf immer noch in Teilen abging und ich mich frisch machen wollte. Außerdem war es furchtbar heiß! Am Nachmittag fuhr meine große Tochter dann das erste Mal alleine Fahrrad und wir freuten uns sehr für sie.

Am Montag hatte ich um 14:30h einen Termin bei Anja, quer durch die Stadt, mit Töchterchen, weil der Mann noch arbeitete. So zumindest der Plan. Morgens um 06 Uhr stand ich auf und hatte wieder diese nervigen, regelmäßigen, schüchternen Wehen, gehen ja sowieso wieder weg. Ich stand also auf machte uns fertig und brachte das Kind in die Kita. Danach tigerte ich noch etwas herum und kam nicht zur Ruhe. Also rief ich Anja an und erklärte ihr, dass ich gar keinen Bock hätte heute quer durch die Stadt zu fahren und ich wieder diese nervigen nichts bringenden Wehen hätte. Sie schlug die Wanne vor und ich rollte genervt mit den Augen...jaaa kann ich machen, dann sind die eh wieder weg, ich hab schon Schwimmhäute von dem ganzen Gebade der letzten Wochen. Ich breitete noch etwas das Abendessen vor und ließ mir um 10 Uhr eine Badewanne ein. Ich stieg ins warme Wasser ein und keine 3min später Ruhe: Absolute Ruhe im Bauch. Wie immer dachte ich genervt. Naja wenn ich schonmal hier bin wasche ich jetzt auch die Haare und genieße das Wasser.

Unterdessen schrieb mir Anja um 10:25Uhr: "Ich komme für die Vorsorge nachher einfach zu dir. Habe meinen anderen Termin nachher abgesagt. Denke, dass es ca 14:30/15h wird. Liebe Grüße, Anja“. 2 min später -  Ich komme früher. Habe alle Termine für heute abgesagt. Es wird ca 13:30" Da hat wohl jemand mehr an Geburt geglaubt als ich. Ich wollte um 10:40Uhr dann endlich aus der Wanne und dachte nur huiuiui das war eine "echte" Wehe. Vielleicht ja doch Geburt, aber das dauert bestimmt noch. Dann passt das ja mit Anja um halb zwei.

 

Ich rief den Mann und sagte es ginge wohl los, er solle nachhause kommen. Die Wehen kamen unregelmäßig alle 4-12min und waren ca. 1 Minute lang und gut auszuhalten. Mein Körper gab mir zu verstehen, dass wir vorerst auf Toilette Wehen und entleeren gleichzeitig vornehmen. Um 11:30 Uhr traf der Mann ein und begann den Pool und alles andere aufzubauen. Ich legte mich zur Überbrückung nochmal in die noch gefüllte Wanne, dieses Mal verstärkte das Wasser die Wehen und ich wechselte nach 3 Wehen wieder aufs Trockene. Mein Mann hörte wie ich begann zu Tönen und rief die Fotografin und Anja an. Anja versprach sich zu beeilen und dass sie sowas schon geahnt hätte. Der Pool war fertig aufgebaut und gefüllt und ich stieg gegen 12:15 Uhr hinein.

Anja hatte wohl auf dem Weg zu uns Leonie als Zweithebamme informiert und so machten sich bereits beide auf den Weg zu uns. Um 12:35 Uhr traf Anja ein, schaute sich die Szenerie eine Wehe an und rief dann Leonie "zum Finale" nach oben. Währenddessen dachte meine eine Hirnhälfte nur "ach du sch*** wer ist denn bitte auf die grandiose Idee gekommen zuhause ohne PDA gebären zu wollen" und die andere "hat sie Finale gesagt? Die spinnt ja wohl, als ob, es ging doch gerade erst los"

Als ich fertig mit dem gedanklichen pöbeln war, stieg ich aus dem Pool und um 12:45 Uhr platzte dann vor dem Pool die Fruchtblase und die erlösenden Presswehen setzen ein. Ich begab mich im Vierfüßlferstand auf die Couch und Leonie betrat die Wohnung.

Um 13:10 wurde Baby L in Papas Hände geboren. Es war geschafft und ich überrumpelt. 2h und 40min von "oh das ist mal ne Wehe“ bis zum Baby. 8min später trifft auch die Fotografin ein "zu spät" schallt es ihr entgegen.

Die Plazenta wird kurze Zeit später geboren, meine Verletzungen versorgt, die große Schwester aus der Kita abgeholt zum Baby bestaunen. Es ist 14 Uhr. Ich gehe mit Leonie duschen und wir kuscheln uns zu viert und für die U1 ins Bett. 52cm 3860g 35cm KU. Die große Schwester durfte mit Papa die Nabelschnur durschneiden. 

Nach dem Frühwochenbett verabschiede ich mich tränenreich von Anja, bedanke mich für die schöne und heilsame Begleitung von Schwangerschaft und Geburt und bedauere, dass wir schon vollständig sind und wir uns nicht nochmal wieder sehen werden.

Plotttwist ich bin wieder schwanger und K3 kommt 2026 hoffentlich wieder mit Anja und vielleicht auch mit Leonie.


Vielen lieben Dank an Julia Wer für die wunderschönen Geburtsbilder!
Mehr davon hier: www.julia-wer-Fotografie.de